Verrücktes Spiel mit vielen Emotionen

   

TVN gewinnt vor 1200 Zuschauern das Derby gegen Pfullingen dank überragender Schlussphase mit 19:17


Was für ein Derby, was für eine Stimmung! Das Drittliga-Nachbarschaftsduell zwischen dem TV Neuhausen und dem VfL Pfullingen ließ in Sachen Unterhaltung und Dramatik keine Wünsche offen. Überragende Torhüter auf beiden Seiten sowie aggressive, aufmerksame Abwehrreihen, jeweils sehr offensiv verteidigend – aus diesem Holz war das Aufeinandertreffen geschnitzt. Neuhausens Interimstrainer Markus Bühner legte bei seiner Premiere, mit einer taktischen Meisterleistung im Laufe der Partie, die Basis für den Triumph. Dabei überschlugen sich am Freitagabend in den letzten sieben Spielminuten vor 1200 Zuschauern in der ausverkauften Hofbühlhalle die Ereignisse. Regelrecht nach vorne gepeitscht vom heimischen Publikum, vollbrachten die TVN-Handballer  etwas Großes. 17:15 führte nämlich der VfL Pfullingen, es sah ganz nach einem Auswärtstriumph für den Nachbarn und die fünfte TVN-Pleite in Serie aus. Dann verkürzte Quentin Abadie auf 16:17 - und plötzlich war neue Hoffnung da. Doch es wurde es noch turbulenter. Eine Zwei-Minuten-Strafe für TVN-Spieler Felix Stahl folgte, danach ein verworfener Siebenmeter durch Pfullingens Christian Jabot. Die Pfullinger wackelten, der Nervenkitzel wurde nicht geringer.  Als VfL-Akteur Paul Prinz nach knapp 57 Minuten eine Zwei-Minuten-Strafe kassierte, waren die Neuhausener eiskalt da – besser gesagt Lukas Fischer. Jener lieferte nicht nur sein bestes Saisonspiel ab, sondern setzte mit einem unglaublich coolen und unspektakulären Siebenmeter-Wurf ins rechte, obere Toreck den vorentscheidenden Stich. Eines von sieben Fischer-Toren an diesem Abend. Dieses 17:17 wirkte zusätzlich wie eine Wunderpille. Der TVN spielte schließlich ohne Kompromisse auf Sieg. Mit Leidenschaft und hochkonzentriert, versetzte  das Bühner-Team schließlich den Pfullingern den Knockout. Eine feine Einzelleistung von Daniel Reusch vom Kreis aus zum 18:17 sowie das 19:17 Sekunden vor Schluss durch Daniel Jungel ließen Trainer, Spieler und das begeisterte Publikum feiern. Besonders viel Schulterklopfen nahm Markus Bühner entgegen. Der 31-Jährige Coach hatte erst am Montag seine erste Trainingseinheit geleitet. „Markus hat uns mit seiner Umstellung auf eine offensivere Deckung während der Partie aus dem Takt gebracht“, verteilte Pfullingens Trainer Till Fernow Komplimente an den Kollegen. Der Neuhausener Trainer zeigte sich überglücklich. „Wir haben nach der taktischen Umstellung aggressiver agiert“, sagte Bühner nach dem Sieg, „großes Kompliment an die Mannschaft.“ Was im Neuhausener Spiel auffiel: Die Defensive stand deutlich besser als in vielen Partien zuvor in dieser Runde, zudem war auch kein Leistungseinbruch ab Mitte der zweiten Halbzeit festzustellen. Im Gegenteil. Im zweiten Spielabschnitt (zur Pause lag der TVN 7:9 zurück), sortierten sich die Neuhausener nicht nur neu, sondern bekamen immer besseren Zugriff. Großer Rückhalt war Torwart Simon Tölke, der mit 16 Paraden am Ende sogar noch einmal mehr den Retter spielte, als sein ebenfalls überragend haltender Gegenüber Magnus Becker. VfL-Trainer Till Fernow war bei der anschlißenden Pressekonferenz besonders geknickt, weil selbst ein zwischenzeitlicher Fünf-Tore-Vorsprung nicht zum Punkten reichte. „Kleinigkeiten haben das Derby entschieden“, bilanzierte der Pfullinger. Markus Bühner genoss einfach nur den Augenblick. „Es war ein ganz wichtiger Sieg“, betonte der Coach, „ab Montag gilt nun die volle Konzentration unserem letzten Heimspiel in diesem Jahr.“ Am Samstagabend rückt der Tabellendritte SG Nußloch in der Hofbühlhalle an.