1:6-Rückstand souverän wettgemacht: TVN siegt mit 29:23

Handball, 3. Liga Süd: TV Neuhausen schlägt HBW Balingen-Weilstetten II bei der Punktspiel-Heimpremiere mit 29:23 (15:13) und hinterlässt vor 718 Zuschauern einen vielversprechenden Eindruck.

Dem TV Neuhausen hat der Abstieg aus der 2. Bundesliga offenbar überhaupt nicht geschadet - zumindest nicht, was Spielfreude und Stimmung angeht. Nach dem 28:22-Auftaktsieg in Oppenweiler ließ eine frisch aufspielende Ermstäler Truppe auch gestern Abend gegen die stark einzuschätzende Talenttruppe aus Balingen nichts anbrennen.  Der 29:23 (15:13)-Heimsieg war vollkommen ungefährdet und am Ende musste man sich an den schwachen Start überhaupt nicht mehr erinnert fühlen. Ähnlich wie in Oppenweiler kam der TVN anfangs nicht so recht in die Gänge, offenbarte am Kreis etliche Lücken, welche die zu Beginn noch kess agierenden Zollernälbler konsequent ausnützen. Als es nach sieben Minuten 1:6 stand, musste man sich schon ein wenig Sorgen machen. Letztlich vollkommen unbegründet. In Oppenweiler war es nach der Pause ein 9:2-Lauf, der den zuvor sich im Vorteil wähnenden Gegner niederstreckte, gestern Abend fegte ein 10:4-Zwischenspurt wie ein Orkan über den HBW Balingen-Weilstetten II hinweg und nahm den Gästen all die Unbekümmertheit, mit der sie ins Spiel gegangen waren. Durch den Treffer von Neuzugang Quentin Abadie lagen die Metzinger Vorstädter in der 19. Minute beim 11:10 erstmals vorne und ließen sich dann nicht mehr vom Erfolgskurs abbringen. Der 15:13-Zwischenstand gab die nötige Sicherheit für den zweiten Durchgang. In diesem zeigte sich, dass die Balinger keine

Mittel ab dem Zeitpunkt mehr hatten, als der TVN die Lücken am Kreis schloss. Ein wurfstarker Shooter wurde auf Gästeseite ebenso vermisst wie die sogenannten leichten Tore durch Tempogegenstöße, weil der TVN sich bei seinen Angriffen viel zu selten Patzer und Ballverluste erlaubte. In der 48. Minute (22:17) waren die Hausherren durch den intelligent spielenden Rechtsaußen Mario Laurenco erstmals mit fünf Treffern Distanz davongezogen und auch die unmittelbar darauf folgende Auszeit von Gästecoach Andre Doster konnte nichts mehr retten. Über 24:19 (52.) und 26:20 (56.) holte sich die Mahmutefendic-Truppe den sicheren 29:23-Heimsieg. Die 718 Zuschauer sparten nicht mit Applaus und durften endlich mal wieder einen hüpfenden Jubelkreis ihrer Lieblinge beklatschen.

In der Tabelle sind die Neuhäuser damit trotz erst zwei absolvierter Partien bereits Tabellendritter (57:45 Tore, 4:0 Punkte) und zusammen mit  der viertplatzierten SG Köndringen-Teningen (ebenfalls 4:0) das einzige Team ohne Punktverlust.

TVN-Trainer Anel Mahmutefendic, der Neuzugang Lukas Fischer aus taktischen Gründen nicht einsetzte (der quirlige Jan Reusch sollte stattdessen auf Rückraum Mitte die Räume schaffen und nützen), hingegen aber dem eigentlich dem Kader der Zweiten Mannschaft (Aufsteiger in die Württembergliga) zuzuordnenden Tim Reusch recht viel Einsatzzeit gönnte, konnte bei seinem Heim-Punktspieldebüt mehr als zufrieden sein: „Ich will meine Mannschaft nicht für den schlechten Start zu sehr rügen. Natürlich haben wir nervös begonnen und wohl zu viel über meine Vorgaben sowie die Analysen über den Gegner aus Balingen nachgedacht. Beim Stand von 1:6 zeigte meine Mannschaft aber Charakter und ihr wahres Gesicht. Wir haben einfach ruhig weiter das durchgezogen, was wir uns eigentlich schon von der 1. Minute an vorgenommen hatten“, meinte der Coach.

„Gefallen hat mir auch, dass wir schwer auszurechnen waren und bis auf Stahl und Greve alle eingesetzten Feldspieler ins Netz trafen. Wir können aus jeder Position ein Tor erzielen und in jedem Spiel kann ein anderer Akteur der Matchwinner sein, wenngleich wir primär als Mannschaft kompakt auftreten“, lobte der Niederländer mit bosnischen Wurzeln.

In Oppenweiler waren Karl Toom sieben Tore gelungen, gestern kam Tim Keupp auf die selbe Quote. Zudem glänzte Torwart Simon Tölke mit zwölf Paraden und hinterließ einen ausgezeichneten Eindruck. Aber damit war er nicht der einzige Neuhäuser. 

Quelle: Alexander Mareis, SWP