Archiv: TV 1893 Neuhausen - VfL Bad Schwartau (SÜDWEST PRESSE - Vorbericht

Bangen um Becker und das Hoffen des totalen Underdogs

Verdammt nochmal, lieber Terminonkel, hast Du denn gar kein Mitleid mit dem TVN? In all der Verzweiflung um die grauenvolle Negativserie der Neuhäuser Zweitligahandballer möchte man in der Vorweihnachtszeit am liebsten drohend mit der Rute in Richtung des Spielplan-Erstellers der 2. Handball-Bundesliga fuchteln. Immerhin beschert jener Spielplan den Ermstälern am Samstag (20 Uhr, Hofbühlhalle) in Gestalt des VfL Bad Schwartau ein absolutes Spitzenteam. Der Tabellenvierte liegt mit seinen 22:10 Punkten nach 16 von 38 Saisonspielen noch so aussichtsreich im Rennen, dass die Fans der Nordlichter durchaus den Erstliga-Aufstieg auf ihren Wunschzettel fürs Christkind schreiben dürfen.

TVN-Trainer Aleksandar Stevic hingegen lässt sich trotz aller Rückschläge nicht beeindrucken. Er streitet die glasklare Rollenverteilung und den Favoritenstatus der Gäste zwar nicht im geringsten ab, sieht aber in der Konstellation durchaus auch eine Chance. Würde jetzt ein Zittergenosse aus dem Tabellenkeller in der Hofbühlhalle seine Aufwartung machen, läge der Druck komplett auf den lädierten TVN-Schultern. Am Samstag trauen nur Optimisten dem Ranglisten-Vorletzten etwas zu, die Stevic-Truppe kann (so verrückt sich dies anhand der prekären Tabellenlage anhört) fast schon unbeschwert aufspielen. "Wir müssen die Tabelle ausblenden. Natürlich wäre es toll, mit einem Erfolgserlebnis in die WM-Pause zu gehen. Aber selbst wenn wir nun daheim gegen Bad Schwartau und anschließend auswärts in Konstanz unterliegen sollten, werde ich nicht den Mut verlieren", macht Stevic klar.

Dass seine Truppe nach sieben sieglosen Partien und fünf Niederlagen in Folge wenig Selbstvertrauen aufweist, sieht er Tag für Tag im Training. Dennoch wird der Coach nicht müde, seine Jungs aufzubauen und an eine Wende (spätestens im Kalenderjahr 2017, wenn die Langzeitverletzten Keupp, Toom und Predragovic zurückkommen) zu glauben. "Ich hinterfrage mich natürlich auch ständig. Aber wir haben nach der Pleite gegen Emsdetten intensiv diskutiert und eine Bilanz der Hinrunde gezogen. Nach allen Analysen und Rückblicken steht für uns fest, dass wir alle der Meinung sind, es noch schaffen zu können. Mir war von Beginn an klar, wie schwierig es mit dem kleinen Kader werden würde. Dass dann noch so außergewöhnliches Verletzungspech hinzukam, hat die Situation noch dramatisch verschärft. Wir mussten vier von sechs Rückraumspielern permanent ersetzen. Das schafft keine Mannschaft. Seit ich Trainer in Neuhausen bin, musste ich zudem drei Mal in Folge die Mannschaft umbauen, weil Jahr für Jahr wichtige Spieler abwanderten. Selbst mit einem vollständigen Kader hätten wir Probleme bekommen. Die sportlichen Sorgen können daher nicht überraschen", betont Stevic, dessen Vertrag noch bis Sommer 2017 läuft.

Die Gäste aus dem Kreis Ostholstein in Schleswig-Holstein sieht der TVN-Coach vor allem wegen "einer überragenden Abwehr um einen der besten Torhüter der 2. Liga" als hohe Hürde. Der 34-jährige Routinier Dennis Klockmann wird sicherlich nicht leicht zu bezwingen sein. Auf Neuhäuser Seite würde Magnus Becker gerne die Gästewürfe abwehren, doch dieses Vorhaben ist gefährdet. Becker macht eine Entzündung in der Schulter arg zu schaffen, er konnte die ganze Woche bis heute nicht trainieren. Sicherheitshalber wird der 19-jährige Yannick Hölzl (ansonsten Keeper beim TVN II) als Vertreter ins Aufgebot nominiert. Von der eigenen Landesligatruppe bzw. A-Jugend der JSG Echaz-Erms stehen zudem Michel Stotz und Felix Stahl im TVN-Kader fürs Heimspiel gegen den VfL am Samstag ab 20 Uhr.

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Alexander Mareis