Archiv: HSG Konstanz - TV 1893 Neuhausen (SÜDWEST PRESSE)1

Schoch brennt für den Klassenerhalt

Ein bärenstarker Auftritt liegt hinter dem Handball-Zweitligisten TV Neuhausen, ein schwerer Gang erwartet die Stevic-Schützlinge am Zweiten Weihnachtsfeiertag. Am 26. Dezember wird das Schiedsrichterduo Dinges/Kirsch um 17 Uhr das Match zwischen der HSG Konstanz und dem TV Neuhausen anpfeifen. Die Konstanzer haben zwar vier ihrer acht Saisonniederlagen daheim kassiert, wegen ihrer lautstarken, treuen Fans gelten die Gastspiele in der 1900 Besucher fassenden Schänzle-Sporthalle aber als hohe Hürde. Mehr als 1400 Zuschauer pilgerten in der laufenden Runde freilich zu keinem Heimspiel der HSG, die Bestmarke wurde beim Heimsieg (33:28) über die TSG Ludwigshafen-Friesenheim erreicht.

Gegen den TVN, der einen Fanbus (Informationen dazu bei der TVN-Geschäftsstelle) zu diesem Auswärtsspiel einsetzt, erwartet man am Bodensee wegen des Weihnachtsspieltermins einen neuen Saisonrekord.

Die Neuhäuser liegen immer noch auf einem Abstiegsplatz, haben sich aber vom vorletzten auf den drittletzten Rang verbessert. Die unerwartet starke Vorstellung beim sagenhaften 30:27 über den seinerzeit viertplatzierten VfL Bad Schwartau macht den Ermstälern Mut. Ferdinand Michalik zeigte sich gegen die Ostholsteiner in bester Verfassung und traf sieben Mal: fünf Mal aus dem Rückraum, zwei Mal per Siebenmeter. Der langjährige TVN-Akteur, der aus dem Echaztal stammt, meinte nach dem Husarenstreich gegen Bad Schwartau: "In anderen Spielen sind wir zum Schluss noch eingebrochen, machten technische Fehler. Diesmal war dies nicht der Fall. Wir haben zurecht gewonnen, lagen immer vorne übers komplette Spiel. Nach der Negativserie waren wir zweifellos verunsichert. Doch wir sind von unserem Können überzeugt, auch wenn wir es zuletzt zu wenig zeigten. Diesmal aber lag auch das Quäntchen Glück auf unserer Seite. Abpraller, die ansonsten oft beim Gegner landeten, flogen uns gegen Schwartau in die Hände. Nun wollen wir auch in Konstanz eine gute Leistung zeigen."

TVN-Trainer Aleksandar Stevic baut auf seine Abwehr, die in der Runde bisher selten überzeugen konnte. "Speziell mit der Defensive und dem überragenden Torwart Daniel Rebmann war ich mehr als zufrieden gegen Schwartau. Es wäre wunderbar, wenn wir in Konstanz ähnlich auftreten könnten. In der zweiten Halbzeit wurde es gegen Bad Schwartau schwieriger, doch wir sind nicht eingebrochen, als der Gegner den Rückstand verkürzte. Die Schwartauer wurden von uns sicherlich nicht taktisch oder von der Aufstellung überrascht. Aber von der Art und Weise, wie meine Mannschaft sich ihnen entgegenstellte, dürften sie auf jeden Fall verblüfft gewesen sein. Vielleicht können wir so den Konstanzern, die sicherlich favorisiert sind, das Leben schwermachen."

In Konstanz und im weiteren Saisonverlauf baut der TVN ganz wesentlich auf Jona Schoch, den nicht wenige Experten für den vielleicht talentiertesten Spieler im Kader der Ermstäler halten. Vor wenigen Tagen gab der Verein bekannt, dass der 1,92 Meter große 22-Jährige in der kommenden Saison zum aktuellen Erstligisten HBW Balingen/Weilstetten wechseln wird.

"Meine Entscheidung zum Vereinswechsel ist nach dem Spiel in Nordhorn-Lingen, das wir am 11. Dezember mit 22:25 verloren haben, gefallen. Ich erhoffe mir in Balingen mehr Spielzeit als beim Erstliga-Rivalen Frisch Auf Göppingen, wo ich per Zweitspielrecht schon in der laufenden Saison im Kader stand."

Schoch glaubt an eine erfolgreiche Zukunft auf der Zollernalb: "Der HBW Balingen/Weilstetten ist der richtige Verein für den Schritt nach vorne. Meine Weiterentwicklung kann dort vorangetrieben werden."

Pessimisten, die befürchten, dass Schoch in der Rückrunde möglicherweise im Abstiegskampf mit den Gedanken schon in Balingen sein könnte, beruhigt der torgefährliche Rückraumwerfer. "Nein, das wird auf gar keinen Fall eintreten. Für mich ist es eher eine zusätzliche Motivation, mit einem guten Gefühl in die neue Runde zu starten und zuvor den Zweitligaerhalt mit dem TVN geschafft zu haben. Es ist ein großer Ansporn, mit dem TV Neuhausen nicht abzusteigen."

Im Ermstal baut man, wie vielfach von den Medien geschrieben, auf die Rückkehr der Langzeitverletzten Tim Keupp und Karl Toom, zudem soll auch Srdjan Predragovic im neuen Kalenderjahr wieder mit von der Partie sein. Jona Schoch hat daneben seine Vorstellungen, wie 2017 zu einem besseren Handballjahr für die blau-weißen Metzinger Vorstädter werden könnte.

"Wichtig ist, dass wir gut in die Rückrunde starten und bei den Big-Point-Spielen zu Hause nicht leer ausgehen. Die Unterstützung der Zuschauer wird dabei wie immer sehr wichtig sein. Klar ist, dass vieles mit Selbstvertrauen nach einem guten Start einfacher werden wird. Wenn wir von Anfang an ins Laufen kommen, dann sind wir schwer zu stoppen. Das wurde zuletzt gegen Bad Schwartau deutlich. Nachdem mein Wechsel nach Balingen nun offiziell ist, kann ich außerdem meine volle Konzentration auf den TV Neuhausen richten", macht Jona Schoch klar.

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Alexander Mareis