Archiv: HSG Konstanz - TV 1893 Neuhausen (SÜDWEST PRESSE)

TVN belohnt sich für Steigerung nicht

Unglückliches Ende einer unglücklich verlaufenen Hinrunde: Handball-Zweitligist TV Neuhausen verlor gestern Abend das sogenannte Christmas-Game in der Konstanzer Schänzle-Halle mit 24:27 (10:14).

Die Blau-Gelben hatten mächtig die Werbetrommel gerührt, um die bisher beste Heimspielkulisse der Runde für dieses Derby zur Unterstützung der zuvor zu Hause nicht sattelfesten HSG-Handballer zu mobilisieren und hatten damit Erfolg. 1600 Zuschauer sorgten für eine beeindruckende Stimmung, zu der mehr als 100 Gästefans ihren Teil beitrugen und zumindest zeitweise sogar den Ton angaben. Die Neuhäuser Anhänger, von denen viele im extra gecharterten Fanbus anreisten, durften freilich nur ein einziges Mal eine Führung ihrer Lieblinge bejubeln - beim 0:1 durch Felix Klingler nach 32 Sekunden. Im Verlauf der gesamten ersten Halbzeit lief anschließend vieles nicht wunschgemäß. "Das war eine sehr schwache erste Hälfte von uns. Wir hatten in der Abwehr mitunter null Zugriff auf die HSG-Angreifer. Vor allem von den Halbpositionen warfen die Kontanzer, wie sie wollten", klagte TVN-Kreisläufer Frederic Stüber hinterher.

Die Blau-Gelben nutzten die Unzulänglichkeiten zu mehreren klaren Führungen aus. Nach gut elf Minuten stand es 7:3, nach knapp 16 Minuten sogar 9:4. "Insgesamt haben wir uns zwar ordentlich präsentiert, aber wir waren im Gegensatz zum Heimsieg über Bad Schwartau anfangs einfach nicht präsent. Da fehlte die nötige Konsequenz, wir kassierten unnötige Gegentreffer, obwohl die Zuordnung eigentlich klar geregelt war", bemängelte TVN-Trainer Aleksandar Stevic, der trotz eines Magen-Darm-Infekts von draußen seine Schützlinge wieder antrieb. Torwart Daniel Rebmann konnte nur drei Bälle vor der Pause parieren und litt unter mangelhaften Abwehrverhalten seiner Vorderleute, die bei ihren Angriffsbemühungen elf Fehlwürfe produzierten. Zu viel, um den Konstanzern Paroli bieten zu können. Die HSG führte folgerichtig mit 14:10 zur Halbzeit.

Nach dem Seitenwechsel deutete zunächst wenig auf eine Verbesserung hin. Neuhausen geriet sogar mit 12:18 (36.) und 16:21 (42.) ins Hintertreffen. Jetzt aber sollte es sich so langsam bezahlt machen, dass die TVN-Abwehr immer aggressiver agierte und Torwart Rebmann deutlich mehr Bälle zu fassen bekam. In die Karten spielte den Gästen, dass der Konstanzer Matthias Riedel in der 41. Minute mit der Roten Karte das Feld räumen musste. Fortan wankten die Gastgeber und die Ermstäler spürten einen Aufwind in Bodenseenähe. Der auffällige Jan Reusch, gestern in starker Verfassung, bediente seine Mitspieler immer geschickter.

Beim 21:19 in der 45. Minute trennten nur noch zwei Treffer die beiden Derbyrivalen, doch eine Zeitstrafe gegen Jona Schoch schwächte die Stevic-Schützlinge anschließend wieder. Konstanz zog abermals an, eilte auf 23:19 (47.) davon.

Doch der TVN hatte Lunte gerochen und die Neuhäuser Anhänger wurden immer mehr Herr im fremden Haus. Nach genau 50:29 Minuten verkürzte Jona Schoch auf 23:22. Ferdinand Michalik war nach 52:07 Minuten mit seinem 24:23 der Hoffnungsträger und Andreas Bornemann beim 25:24 (55:57 Minuten). Drei Mal also bot sich dem TVN die Chance zum Ausgleich, drei Mal wusste Konstanz dies zu verhindern. Bei der letzten Situation erreichte die Dramatik ihren Höhepunkt. Jona Schoch hatte sich auf halblinks durchgesetzt und zum Wurf ausgeholt. "Das war ein schwieriger Wurf, leider hat ihn der HSG-Keeper pariert. Danach haben die Konstanzer alles klar gemacht", bedauerte Aleksandar "Aco" Stevic.

In den letzten 16 Sekunden lochten Kaletsch und Torwart Glatt (ins leere Gehäuse) bei offener Manndeckung nochmals zwei Mal für die Hausherren ein, das Ergebnis von 27:24 überdeckte somit, wie knapp es in den Schlusssekunden zuging. "Schade, dass Jona hier nicht den Ausgleich gemacht hat. Zuvor schon war ich selbst ebenso gescheitert wie Ferdinand Michalik. Wenn wir am Ende den Ausgleich markiert hätten, dann wäre uns sicherlich ein Punktgewinn geglückt", trauert Kreisläufer Stüber den vergebenen Chancen nach.

"Unsere Formkurve hat in den letzten drei Spielen des Kalenderjahrs 2016 nach oben gezeigt. Ich werde meinen hochbelasteten Spielern jetzt bis zum 9. Januar 2017 eine Pause gönnen, was das Mannschaftstraining angeht. Individuelle Aufgaben werden die Spieler in den Tagen um den Jahreswechsel zwar bewältigen, aber erst am 9. Januar werden wir gemeinsam wieder ins Training einsteigen. Es liegen noch 20 Spiele bis Saisonende vor uns, 40 Punkte sind dabei zu vergeben. Unser Ziel ist es auf jeden Fall, 2017 mehr Punkte zu holen und somit auch mit unseren Rückkehrern den Klassenerhalt zu schaffen", betont Trainer Stevic.

Am 4. Februar 2017 wird die Zweitligarunde mit dem Heimspiel gegen den Wilhelmshavener HV fortgesetzt. Der WHV schlug gestern am späten Abend den TUSEM Essen mit 29:27. Damit hat sich die Tabellensituation für die Metzinger Vorstädter verschlechtert. Der TVN muss Silvester auf dem 19. und vorletzten Rang mit 11:25 Punkten erleben. Wilhelmshaven (12:24) kletterte auf Platz 15.

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Alexander Mareis