Archiv: »Kein Zuckerschlecken für uns« (Reutlinger General-Anzeiger - Vorbericht)

>Kein Zuckerschlecken für uns<

Aleksandar Stevic ist heftig verschnupft. Neben einer Infektion plagen den Trainer und Sportdirektor des stark abstiegsgefährdeten Handball-Zweitligisten TV Neuhausen die aktuellen Vertragsverhandlungen. Aktuell muss er den Abgang des 26 Jahre alten Allrounders Christian Wahl und des Kreisläufers Frederic Stüber verkraften.

>Das sind nach den Abgängen von Jona Schoch nach Balingen und von Torwart Magnus Becker zum VfL Pfullingen zum Saisonende erneut zwei Abgänge, die uns richtig wehtun. Ihre Gründe müssen wir akzeptieren, aber die Lage ist für uns kein Zuckerschlecken<, lässt Stevic leise Frust anklingen. >So etwas passiert uns ja nicht das erste Mal. Wir sind halt ein kleiner Verein, dessen Manko es ist, den Kader nicht langfristig mit schlagkräftigen Leuten aufstellen zu können.<

Immer wieder habe man Topleute hergeben müssen und immer wieder deshalb einen Neuaufbau leisten müssen. Aktuell wird die Situation bei den Vertragsverhandlungen aber dadurch erschwert, dass der TVN voll im Abstiegskampf steckt und keiner weiß, in welcher Liga man in der nächsten Saison spielt. Dass der angekündigte Abschied mehrerer Leistungsträger nun aber der Mannschaft einen Dämpfer verpasst, befürchtet Stevic nicht. Im Gegenteil: Er denkt, dass die frühzeitige Entscheidung befreiend für die Leistungsträger ist, da zumindest ihre persönliche Zukunft sichergestellt ist. >Ich bin überzeugt, dass sich alle Jungs voll reinhängen, weil sie sich mit einem Klassenverbleib von uns verabschieden wollen.<

Die Gründe, die beide Spieler, die zeitgleich zur Saison 2015/2016 unter den Hofbühl zum TVN gekommen sind, respektiert Stevic. Der quirlige Wahl, der in der laufenden Saison in jedem Spiel traf und bislang auf 54 Tore kommt, wohnt in Stuttgart und will auf seinen Bachelor-Abschluss jetzt noch im dualen Studiengang einen Master obendrauf setzen. Das lässt sich für ihn nicht mehr mit dem Trainings- und Spielbetrieb der zweiten Bundesliga vereinbaren. Deshalb geht er in die dritte Liga zu seinem Heimatverein SV Salamander Kornwestheim zurück. Anders verhält es sich bei dem früheren Jugend-Nationalspieler Frederic Stüber. >Er hat sich bei uns sehr gut entwickelt und will sportlich den nächsten Schritt machen<, weiß Stevic von den Ambitionen des 21-Jährigen, der in der laufenden Saison am Kreis bereits 47 Mal traf. Stüber wechselt zum Ligarivalen TSG Ludwigshafen-Friesenheim. Mit den >Eulen< will er in die Bundesliga aufsteigen.

Kreisläufer hat Priorität

So muss Stevic, dessen Vertrag ebenfalls ausläuft, nun weiter mit Hochdruck am neuen Kader arbeiten. Priorität hat für ihn dabei die Besetzung der Kreisposition. Gleichzeitig bereitet er sein Team für die in einer Woche mit dem Heimspiel gegen Wilhelmshaven beginnende Rückrunde vor. Nach harten Einheiten in der Halle gab's auch Skilanglaufen auf der Alb und ein inoffizielles Trainingstestspiel gegen Erstligist TVB Stuttgart, das laut Stevic Unentschieden endete. An diesem Wochenende steht für den letzten Feinschliff das hochklassig besetzte Turnier in Öhringen bei Heilbronn auf dem Plan. Der TVN muss erst gegen Erstligist Frisch Auf Göppingen am Samstag ran. Anschließend geht's entweder gegen den Sieger oder Verlierer aus der Partie des Bundesligisten HC Erlangen gegen den österreichischen Serienmeister Bregenz.

(GEA)

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GABRIELA THOMA