Archiv: Andreas Bornemann wechselt zum Neusser HV (SÜDWEST PRESSE)

Trotz fünftem Abgang keine Weltuntergangsstimmung

Handball-Zweitligist TV Neuhausen macht derzeit keine einfache Zeit durch. Nachdem auch der Transfer von Rückraumshooter Andreas Bornemann zum Neusser HV feststeht, hat sich die Anzahl der Abgänge auf fünf erhöht. Viele TVN-Anhänger sehen die Alarmleuchten somit nun auf dunkelrot flimmern. TVN-Trainer und -Sportdirektor Aleksandar Stevic versteht die Besorgnis unterm Hofbühl und verschließt keineswegs die Augen davor, versucht aber die Wogen zu glätten. "Der Untergang des TVN ist mir schon öfters prophezeit worden. Wir sind aber immer noch in der 2. Bundesliga", macht Stevic klar.

Die aktuellen Zahlen indes sind ernüchternd, wie erwähnt steht Abgang Nummer fünf fest. Dass sich beim TV Neuhausen im Kader die Reihen lichten, lässt sich nicht verleugnen: Nach Magnus Becker (VfL Pfullingen), Christian Wahl (TV Salamander Kornwestheim), Frederic Stüber (TSG Friesenheim) und Jona Schoch (HBW Balingen-Weilstetten) ist Andreas Bornemann der nächste Stammspieler, der den Ermstälern den Rücken kehrt. Den wurfgewaltigen Rückraumspieler zieht es zum souveränen Tabellenführer der 3. Liga West, Neusser HV (35:1 Punkte nach 18 Spielen).

Diese Personalentscheidung gab der Drittligist auf seiner Homepage vorschnell bekannt, was im Ermstal nicht nur wegen der aktellen Grippewelle für verschnupfte Nasen sorgte. Bornemann selbst spricht gegenüber dem Vereinsmedium von einem "spannenden wie ehrgeizigen Projekt", bei dem alles passe. Er freue sich auf die sportliche Herausforderung, so der 23-jährige Hüne, der in der laufenden Saison bereits 88 Mal traf.

Bitter für den TVN: Nachdem bereits Jona Schoch sich für die neue Saison vertraglich an Erstligist HBW Balingen-Weilstetten gebunden hat, ist der zweite Rückraumwerfer weggebrochen. Auf der linken und rechten Halbposition im Rückraum muss der TVN dringend für Ersatz sorgen. Bis es soweit ist, ist einiges an Arbeit zu leisten. "Wir schauen uns überall um. Natürlich würden wir gerne schwäbische Talente nach Neuhausen holen - Leute, die schnell einen Bezug zum TVN aufbauen können. Aber unser Blick muss weit über regionale Grenzen hinausgehen, um die geeigneten Spieler an Land ziehen zu können", macht Aleksandar Stevic klar.

Den fünf Abgängen gegenüber stehen für die neue Saison auf der Zugangsliste bisher nur der aus Neuhausen/Filder stammende ehemalige Jugendnationalspieler Lukas Fischer von der SG H2Ku Herrenberg und Torwart Simon Tölke vom VfL Pfullingen. "Das sind sicher nicht die schlechtesten Neuverpflichtungen. Fischer ist ein großes Talent und Tölke einer der besten Keeper der Region", will Stevic auch optimistische Blickwinkel auf die Zukunft nicht verbauen.

Erste Reaktionen im Internet auf die aktuellen Transferabläufe im Ermstal sind freilich eindeutig. Ein User zeigt sich schlicht "sprachlos", ein anderer "verliert langsam die Hoffnung, was die Zukunft betrifft." Von Ausverkauf ist die Rede. Sogar ein "Praktikum bei den TusSies" wird den handelnden Personen empfohlen. Harte Worte von der Basis, die so langsam aber sicher nervös wird, was die Kaderplanung des TVN angeht. "Wir sind nicht blind oder taub. Aber verrückt lassen wir uns nicht machen", hält Aleksandar Stevic diesen Sichtweisen entgegen.

Allerdings droht weiteres Ungemach beim TV Neuhausen: TVN-Ikone Ferdinand Michalik, rund ein Jahrzehnt schon Träger des blau-weißen Shirts, soll wegen beruflicher Verpflichtungen über sein Karriereende nachdenken, wie aus gut informierten Kreisen zu hören ist. Gerüchteküche hin oder her, Fakt ist: Der Vertrag von "Ferdl" läuft ebenfalls aus. So wie bei dem Quintett, das sich bereits neu orientiert hat und für das der TVN somit keinerlei Ablösegelder von den neuen Klubs zu erwarten hat.

"Jeder Spieler ist ersetzbar. Für uns kommen die Dinge nicht überraschend. Es ist nicht das erste Mal, dass uns wichtige Spieler verlassen. Wir sind ein Ausbildungsverein und müssen damit leben, dass sich Spieler, die bei uns eine positive Entwicklung erlebt haben, für andere Vereine mit mehr Perspektive und Finanzkraft entscheiden", stellt Stevic die Realitäten klar.

"Natürlich ist das schade für uns. Aber es ist doch vollkommen normal, dass die Vereine nicht blind sind. Wenn sich Spieler bei uns mit ihren Leistungen in den Fokus spielen, kommen eben Angebote. In gewisser Weise können wir auch stolz darauf sein, dass wir es immer wieder schaffen, Akteure so weiterzuentwickeln, dass sie Begehrlichkeiten wecken", macht Stevic klar.

Der Neusser HV, als souveräner Drittligaspitzenreiter vermutlich in der nächsten Saison zweitklassig, strebt den Durchmarsch in die 1. Bundesliga an, gilt als finanzstark. Andreas Bornemann, der an der Universität Kassel ein Fernstudium im Umweltingenieurswesen macht und aus Nordhessen stammt, sieht in Neuss bei Düsseldorf neben dem Vorteil, künftig schneller in der Heimat zu sein, auch große sportliche Anreize.

Am Samstag (20 Uhr, Hofbühlhalle) gegen den Wilhelmshavener HV wird der 1,96-Meter-Mann wie so oft ein wichtiger Faktor im TVN-Spiel sein. Diesmal noch mehr als sonst. Die beiden Kreisläufer Daniel Reusch (grippaler Infekt) und Frederic Stüber (Muskelfaserriss, vier bis fünf Wochen Pause) drohen ebenso wie Torwart Magnus Becker (grippaler Infekt) auszufallen.

Neben Tim Keupp könnte allerdings Srdjan Predragovic zurückkommen und eine Option im enorm wichtigen Heimspiel gegen die in der Tabelle in unmittelbarer Reichweite platzierten Nordlichter sein.

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Alexander Mareis