Archiv: TV 1893 Neuhausen - Wilhelmshavener HV (SÜDWEST PRESSE)

Cleverness fehlt: Es wird langsam eng

Das hatten sich die knapp 700 Zuschauer in der Neuhäuser Hofbühlhalle anders vorgestellt. Statt eines kleinen Befreiungsschlags, sinkt der TVN immer weiter in den Schlamm des Zweitligaabstiegskampfs hinein. Denn die ohnehin schon prekäre Situation des Handball-Zweitligisten TV Neuhausen hat sich nach dem Heimspiel gegen die vorher nur einen Punkt besser als die Ermstäler dastehenden Gästen aus Wilhelmshaven nochmals verschärft. Gegen die Nordlichter unterlagen die Metzinger Vorstädter mit 27:30 (14:17). Äußerst schwache Phasen unmittelbar vor und nach der Pause sowie im Speziellen ein 0:5-Lauf ab der 35. Minute vom 17:19 zum 17:24 (42.) machten alle Neuhäuser Bemühungen zunichte. Der Wilhelmshavener HV siegte verdientermaßen unterm Hofbühl, weil die ersatzgeschwächte Truppe (ohne vier Stammspieler) von Trainer Christian Köhrmann cleverer auftrat, weniger Fehler machte und ihre Chancen entschlossener verwertete. Der zehnfache Torschütze Lukas Mertens stach beim WHV heraus. Der 20-jährige Linksaußen und Juniorennationalspieler, der nach Saisonende zum Erstligisten SC Magdeburg wechseln wird, profitierte bei etlichen seiner Treffer von Neuhäuser Fehlern, die den Gästen schnelle Gegenstöße gestatteten. Demgegenüber stand beim TVN eine mäßige Torhüterleistung, eine Vielzahl von unnötigen Ballverlusten und mangelhafte Chancenverwertung. Verletzungs-Rückkehrer Srdjan Predragovic (6) sowie Christian Wahl und Ferdinand Michalik (beide 5) waren Neuhausens erfolgreichste Werfer. Michaelik verpasste eine bessere Quote, indem er zwei Siebenmeter nicht im WHV-Kasten unterbringen konnte. Durch diese nicht zwingend eingeplante Heimpleite steht dem TVN das Wasser nunmehr bis zum Hals: Bereits am Samstag, 11. Februar (20 Uhr, Hofbühlhalle) wird es bitterernst für den TVN, eine Art Endspiel steht an: Im Heimspiel gegen das drei Pluspunkte schlechter dastehende Schlusslicht HC Empor Rostock darf sich der Tabellenvorletzte keine neuerliche Pleite leisten.

Gegen Wilhelmshaven ging zwar letztlich verdammt vieles daneben, es wäre aber sicherlich falsch, von einer durchweg katastrophalen Vorstellung der Metzinger Vorstädter zu berichten. Phasenweise sah es gefällig aus, was die Stevic-Schützlinge auf die Platte brachten. An der Startphase der Partie gegen den Tabellen-15. gab es wenig auszusetzen. Bis zum 13:12, das Michaelik nach 25 Minuten einnetzte, boten die Ermstäler eine absolut akzeptable Leistung und es deutete wenig auf einen fatalen Einbruch hin. Dieser folgte dann ebenso plötzlich wie unerwartet, sodass der Gast zum 14:17-Pausenstand davonzog.

"Wir haben in der Abwehr einfach keinen Zugriff auf die Gästespieler bekommen. Bis zur Halbzeit sind uns nur zwei Tempogegenstoßtreffer gelungen, während Wilhelmshaven deren acht markierte. In der zweiten Halbzeit war es ähnlich, wenngleich wir den Kopf nicht hängen ließen und nochmals herankamen", meinte der fünffache Neuhäuser Torschütze Christian Wahl, den es nach Saisonende nach Kornwestheim zieht.

"Wir litten darunter, mit vielen angeschlagenen Spielern in die Partie gegangen zu sein. Ausreden wollen wir dennoch nicht suchen. Meine Mannschaft hat zu viele Chancen liegen gelassen und den Gegner mit eigenen Fehlern zu Toren eingeladen. Dass dann noch eine unglückliche Schiedsrichterentscheidung - zu Unrecht auf Stürmerfoul gegen uns entschieden - beim Stand von 22:24 in der 48. Minute eine erfolgreiche Aufholjagd erschwert hat, kam eben als Krönung noch hinzu", sagte TVN-Trainer Aleksandar Stevic.

Es war in der Tat respektabel, dass sich die Neuhäuser von 18:24 (42.) auf 22:24 (48.) herankämpften. Später gelang ihnen dasselbe Kunststück beim 25:27 (57.) noch ein Mal. Insgesamt aber verhinderten zu viele unglückliche Umstände die Wende, sodass der WHV das 27:30 relativ ungefährdet einfuhr.

"Wilhelmshaven war einfach cleverer", gab TVN-Kreisläufer Daniel Reusch zu.

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Alexander Mareis