Archiv: TV 1893 Neuhausen - HC Empor Rostock (SÜDWEST PRESSE)

TVN taumelt zum Punkt

Das war nichts für schwache Nerven. In einem spielerisch wenig berauschenden, dafür aber umso spannenderem Spiel sicherte sich der TV Neuhausen am Ende einen schwer erkämpften Punkt. Erst 22 Sekunden vor Schluss nahm sich der vielleicht auffälligste TVN-Spieler Srdjan Predragovic ein Herz und markierte seinen zwölften Treffer. Dieser reichte noch zum letztlich verdienten Punktgewinn.

"Meine Mannschaft hat alles versucht und alles gegeben, Moral und Kampfgeist haben gestimmt", sagte TVN-Coach "Aco" Stevic nach dem Remis. Zu bemängeln hatte er, "dass mein Team nach einer 27:25-Führung das Spiel noch aus der Hand gegeben hat". Rostocks Trainer Hans-Georg Jaunick, der vor Wochen den glücklosen Robert Teichert abgelöst hatte, äußerte sich so: "Wir können mit dem Remis zufrieden sein." Übrigens: Den ältere Handballfreunden ist Jaunich als Olympiasieger von 1980 in Moskau bekannt, als der heute 66-Jährige noch für die ehemalige DDR am Ball war.

Boden verloren

Nach dem Remis im Abstiegsduell Zweitletzter gegen Letzter hat der TVN weiteren Boden verloren. Die vor den Ermstälern platzierten TUSEM Essen und der ASV Hamm-Westfalen konnten ihre Spiele am Wochenende gewinnen. Vier Teams mit jeweils zwei Zählern Vorsprung stehen nun vor dem TVN, der Zweitletzter bleibt.

Die Partie am Samstagabend hat aber auch gezeigt, dass sich der TVN schwer tut. "Uns haben vorne die Körner gefehlt", sagte Stevic. Der Coach musste erneut "ohne vier" auskommen. Zu den verletzten Witte (eine O.P steht bevor), Toom und Stüber konnte auch Bornemann, der immerhin auf der Bank saß, nicht eingewechselt werden.

Die Zuschauer rieben sich schon im ersten Durchgang die Augen. Die Gäste spielten munter drauf los und nutzten vor allem bei schnellen Tempogegenstößen ihre Chancen durch den schnellen und agilen Papadopoulos, der sieben Mal erfolgreich war. Auf der Gegenseite stand ihm aber Linkshänder Predragovic kaum nach, der ähnlich häufig die Kugel im Netz versenkte. Immerhin schaffte es der TVN, drei Mal einen Sechs-Tore-Rückstand (6:12, 7:13 und 8:14, zwischen 17. und 20. Minute) aufzuholen, so dass man zur Pause lediglich mit zwei Treffern in Rückstand lag.

Nach dem Wechsel schien das Spiel zu kippen. Michalik und Wahl stellten schnell auf Remis, doch richtig wegziehen konnten die Ermstäler nie. Was zum einen an der erneut schwachen Chancenverwertung, aber auch an einigen Unzulänglichkeiten lag. Zudem dürfte das Nervenkostüm eine gewisse Rolle gespielt haben. Einige leichte Bälle wurden hergeschenkt und luden den Gegner, der sich kurzfristig mit zwei Junioren-Nationalspielern verstärkt hatte (Zourek und Lind), zu schnellen Gegenstößen ein. Als Klingler mit seinem einzigen Treffer auf 24:22 stellte (48.), schien der Weg zum doppelten Punktgewinn geebnet. Erst recht, als Becker dann einen "Freien" wegmachte und im Gegenzug Predragovic auf 27:25 (57.) erhöhte. Der Bann schien gebrochen.

Doch die Gäste nahmen eine Auszeit und formierten sich neu. Ein Siebenmeter (Papadopoulos) und ein Treffer von Lux bedeuteten den Ausgleich. Es waren noch 90 Sekunden zu spielen. Und wieder leistete sich der TVN einen Ballverlust und erneut war es Papadopoulos, der 60 Sekunden vor Ende einnetzte. Nun schien sich das Blatt zugunsten der Norddeutschen zu wenden, doch der an diesem Abend sichere Schütze Predragovic schaffte 22 Sekunden vor Ende immerhin noch das Unentschieden. Den anschließenden Ballgewinn konnten die Gäste nicht mehr nutzen. Auch einen Freiwurf nach dem Abpfiff entschärfte Becker.

Punkt zu wenig

Der Punkt ist eigentlich zu wenig für die Neuhäuser. Der Druck des Gewinnen-Müssens lastete auf ihren Schultern, ebenso wie die Verletztenmisere. Einige Spieler wie Michalik, Schoch oder "Dani" Reusch waren nach dem Schlusspfiff platt.

Neuhausens Tim Keupp gab sich nach Spielende zwar bedient, richtete aber den Blick nach vorne: "Ich bin trotzdem zuversichtlich, dass wir den Klassenerhalt schaffen. Wir haben noch 18 Spiele vor der Brust. Ich schätze dass man 30 Punkte für den Nicht-Abstieg benötigt."

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Leopold Freudemann