Archiv: TV 1893 Neuhausen - TSG Lu.-Friesenheim (SÜDWEST PRESSE)

"Bin stolz auf das Team, wir packen es"

Das war wieder Mal nichts für schwache Nerven. In einer denkwürdigen Partie unterlag gestern Abend ein bravourös kämpfender TVN mit einem Rumpfteam, dem zeitweise gerade mal sieben bis auch Feldspieler angehörten, hauchdünn.

"Vier angeschlagene Spieler hätten gar nicht spielen dürfen, und trotzdem haben wir überragend gespielt", zog TVN-Coach "Aco" Stevic ein positives Fazit. Von der Leistung seines Teams war er angetan: "Wir haben wieder Mal alles gegeben und das Maximale herausgeholt. Ich bin stolz auf mein Team, wir packen es und steigen nicht ab". Mit diesen Worten erhielt er Beifall bei der Pressekonferenz. Nebenan meldete der siebenfache Torschütez der TSG, Alexander Feld: "Ein Remis wäre für den TVN gerecht gewesen. Wir haben nach der Halbzeit auf eine 5:1-Abwehr umgestellt, das gab letztlich den Ausschlag".

Pechvogel des Abends war allerdings Srdjan Predragovic. Noch zwei Tagen zuvor hatte er nach Spielende per Freiwurf das Remis in Saarlouis gerettet. Nun hätte er zwei Sekunden vor Spielschluss - erneut mit einem Freiwurf - einen Punkt retten können. Doch der Pfosten war im Weg.

Damit bleibt der TVN weiterhin Zweitletzter. Doch mit der gezeigten Leistung und der Genesung einiger wichtiger Stammspieler sollte das Ziel Klassenerhalt realisiert werden können. Benjamin Matschke, der TSG-Trainer mit Pfullinger Wurzeln, wünschte dem TVN alles Gute. Er geht fest davon aus, dass der TVN die Klasse rettet: "Da ist genügend Potential vorhanden, das müsste auf jeden Fall klappen. Wir sehen uns nächstes Jahr wieder."

Die gestrige Partie bot zweifellos zwei grundverschiedene Halbzeiten. Ein furioser TVN, bis in die Haarspitzen motiviert und endlich seine Chancen nützend, hatte im esten Durchgang klare Vorteile. Nicht umsonst lag man mit vier Treffern vorne (18:14).

In der zweiten Hälfte deckten die Gäste besser ab, die 5:1-Formation in der Abwehr zahlte sich mehr und mehr aus. Gleichzeitig schwanden bei den Ermstälern zusehends die Kräfte. Kein Wunder, die Liste der Ausfälle ist lang und wurde nun durch die nicht einsetzbaren Michalik und Jona Schoch noch länger. So musste beispielsweise der stark aufspielende Jan Reusch glatte 60 Minuten durchspielen, ein Stüber wurde in der Abwehr eingesetzt, und das mit einem dreiwöchigen Trainingsrückstand.

Trotzdem glänzte die Stevic-Truppe, spielte konzentriert, nutzte die Chancen und spielte sich nach anfänglichem Rückstand mehr und mehr nach vorne. Auch, weil Daniel Reusch am Kreis sensationell gut spielte und ein Christian Wahl durch seine Beweglichkeit und die sicheren Treffer - er ließ zehn Mal den Ball im Netz zappeln und verwandelte alle sechs Siebenmeter - gut gefiel. Er riss das Ruder mit mehreren Treffern in Folge herum. Über ein 16:13 (25.) ging es schnurstracks zum 18:14.

Im zweiten Durchgang musste der Gastgeber dann dem temporeichen Spiel Tribut zollen. Allerdings stand es nach der Halbzeit plötzlich 22:16 (35.) , weil erneut Wahl und Predragovic feine Treffer erzielten.

Die Schlussphase hatte es dann in sich. Der Vorsprung schmolz mehr und mehr und nach exakt 46 Minuten schafften die Gäste durch einen Siebenmeter den Ausgleich.

TVN-Keeper Rebmann versuchte sich in den letzten acht Minuten als siebter Feldspieler. Jan Reusch glang dann zwei Minuten später (54.) das 30:30. Die Partie war wieder völlig offen.

Die letzten drei Minuten hatten es dann wieder in sich: Zunächst erzielte Wahl das 32:32, doch dann vergaben Tim Keupp und Predragovic hintereinander. Nach einer TSG-Auszeit musste der TVN 20 Sekunden vor Ende das 32:33 schlucken. Und um der Dramaturgie den letzten Kick zu geben erhielt Predragovic zwei Sekunden vor Ende die letzte Chance per Freiwurf. Doch der Ball landete am Pfosten.

So spielten sie

TV Neuhausen gegen TSG Lu.-Friesenheim 32:33

TV Neuhausen: Rebmann, Becker - Stüber, Wahl (10/6), Daniel Reusch (4), Schoch (n.e.), Klingler (5/3), Keupp (3), Witte, Jan Reusch (3), Predragovic (7), Bornemann

TSG Ludwigshafen-Friesenheim: Roepcke, Lenz - Grimm (2/1), Egelhof, Dietrich (4), Haider, Feld (7), Remmlinger (4), Durak, Djozic (4), Weber (1), Dippe (4), Slaninka (1), Schmidt (6)

Siebenmeter: TVN verwandelt alle - bei TSG patzt Grimm, Durak, Djozic

Zeitstrafen: Stüber (2), Wahl, Daniel Reusch - Durak, Dippe (2), Slaninka

Schiedsrichter: Oliver Dauben/David Rohmer

Zuschauer: 738

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Leopold Freudemann