Archiv: TV 1893 Neuhausen - Dessau-Roßlauer HV 06 (SÜDWEST PRESSE)

08.04.2017 - 08:27 - "SÜDWEST Presse"


So tritt kein Absteiger auf: TVN hält die Hoffnung am Leben

Traurig hatte der Freitagabend begonnen mit einer Gedenkminute für den verstorbenen Klaus Brodbeck, der lange für die Bewirtung während TVN-Heimspielen in der Hofbühlhalle verantwortlich war. Der treue Vereinsmitarbeiter hätte sicherlich seine Freude an der Darbietung der Neuhäuser Handballer gehabt, die das Gros unter den 792 Zuschauern aus der tristen und besinnlichen Stimmung geradezu entführten und sie in Ekstase versetzten. Schließlich kannte man das Gefühl eines Siegs im Ermstal kaum noch, elf Partien in der 2. Liga musste man darauf warten. Dass erstmals seit dem 17. Dezember 2016 (damals 30:27 gegen den VfL Bad Schwartau) wieder gejubelt werden durfte, hatte eine ganz wesentliche Ursache. "Unsere Abwehr war der Schlüssel zum Erfolg", brachte es TVN-Routinier Ferdinand Michalik hinterher auf den Punkt.

Nach einer Viertelstunde sah es schon so aus, als ob die Zweitliga-Überflieger der letzten Wochen aus Sachsen-Anhalt, denen fünf Siege aus den vergangenen sechs Spielen zuvor gelangen, in der Hofbühlhalle überhaupt kein Mittel gegen die aggressive, wache und bewegliche 3:2-1-Deckung der Hausherren finden würden. Der 5:2-Zwischenstand zu dieser Spielphase ließ vermuten, dass der Dessau-Roßlauer HV auf keine zweistellige Torbilanz bis zur Pause kommen würde. Genau so kam es auch, beim 11:9 wurden die Seiten gewechselt, nachdem der TVN schon 4:1 (10. Minute), 6:3 (17.), 7:4 (19.) und 11:8 (28.) geführt hatte. Im ersten Durchgang machte vor allem Srdjan Predragovic mit fünf Toren auf sich aufmerksam, in den zweiten 30 Minuten traf der extrovertierte Bosnier nur noch ein Mal. Christian Wahl löste ihn nach Wiederbeginn in Sachen Halbzeittreffsicherheit ab, erzielte vier seiner sechs Tore ab Minute 31. Die Metzinger Vorstädter zogen davon , enteilten denen von einer lautstarken Anhängerschaft unterstützten Gästen beim 18:12 nach gut 42 Minuten scheinbar schon vorentscheidend. Die Neuhäuser Saisonkrankheit, immer wieder in dunkle Phasen zu verfallen und sich das vorher Erarbeitete selbst einzuschmeißen, grassierte gestern Abend nur kurz unterm Hofbühl. Zwar kam Dessau-Roßlau auf 18:15 (45.) und sogar 19:18 (48.) heran, doch diesmal wussten die Ermstäler immer die richtige Antwort auf die Aufholversuche der Sachsen-Anhälter. Selbst einige strittige Schiedsrichterentscheidungen, die für erhitzte Gemüter auf den Rängen sorgten, brachten die Job-Truppe nicht mehr vom Kurs ab. "Von der Leidenschaft und vom Kampfgeist war diese Leistung die beste, die ich von meiner Mannschaft bislang gesehen habe. Wir haben wirklich über 60 Minuten alles reingehauen. Ich freue mich unheimlich, schließlich hatten wir das Gefühl eines Sieges lange Zeit nicht mehr erleben dürfen", strahlte TVN-Trainer Alexander Job, dass seine Negativserie als Coach nach zuvor vier Pleiten seit seiner Inthronisierung endete.

Als Dessau-Roßlaus Linksaußen Marek Vanco beim Stand von 24:21 alleine vor dem starken, durchspielenden TVN-Keeper Daniel Rebmann versemmelte, schrie das Publikum erleichtert auf und ließ sich auch von der kurz danach durch Johannes Wasielewski unhaltbar abgefeuerten Rakete zum Endstand von 24:22 rund 80 Sekunden vor Schluss nicht mehr schocken. Ein starker TVN, der nie wie ein Absteiger wirkte, sendete ein deutliches Lebenszeichen. Pech nur, dass die Konkurrenz im Tabellenkeller am Freitagabend auch fleißig punktete.

"Uns hat die Konzentration gefehlt, wir sind nicht ins Spiel gekommen. Neuhausen war besser und hat verdient gewonnen", gab Dessau-Roßlaus Trainer Uwe Jungandreas den Ermstälern als Mutmacher für die restlichen neun Saisonspiele auf den Weg. Der Tabellenvorletzte TVN muss nun am 15. April beim Drittletzten TuS Ferndorf im nächsten "Endspiel" gegen den Abstieg ran. Die Hoffnung lebt weiter.

So spielten sie

TV Neuhausen - Dessau-Roßlauer HV 24:22

TV Neuhausen: Rebmann, Becker (nur 7m) - Stüber (1), Wahl (6), D. Reusch (2), Schoch (5), Klingler (n.e.), Keupp, Michalik, J. Reusch (2), Predragovic (6/3), Bornemann (2).

Dessau-Roßlauer HV: Döhler, Ambrosius (ab 42.) - Pavlicek (7/4), Hensen, Donath (1), M. Wasielewski (1), Vanco (1), Sohmann (5/1), Pfeiffer (1), J. Wasielewski (1), Schmidt (1), Schade (4), Hanner.

Siebenmeter: 6/3 (Wahl 1/0, Predragovic 5/3) - 6/5 (Pavlicek 4/4, Sohmann 2/1).

Zeitstrafen: Stüber, Wahl (2), Bornemann - Pavlicek, Schmidt (2), Schade (2).

Schiedsrichter: Oliver Dauben/David Rohmer (Köln).

Zuschauer: 792.

----------------------------------------------------

Alexander Mareis