Archiv: TV 1893 Neuhausen - Dessau-Roßlauer HV 06 (Reutlinger General Anzeiger)

08.04.2017 - 14:17 - Reutlinger General Anzeiger


TVN sendet ein Lebenszeichen

Die Spieler jubelten. Und atmeten dann erleichtert durch. Trainer Alexander Job strahlte wie ein Honigkuchenpferd und sagte: >Es freut mich unglaublich für meine Mannschaft und für unsere Fans, dass wir mal wieder gewonnen haben. Dieses Sieg-Gefühl war schon fast verloren gegangen.< Die Zweitliga-Handballer des TV Neuhausen bezwangen gestern Abend den als Tabellenneunten angereisten Dessau-Roßlauer HV mit 24:22 (11:9) - für den TVN, der immer in Führung lag, war's der erste Erfolg nach sieben Niederlagen in Folge und 5:31 Punkten aus den zurückliegenden 18 Begegnungen. In der Tabelle rangiert der Ermstal-Club weiterhin an 19. und damit vorletzter Position.

>Wir haben es immer geschafft, Dessau auf Abstand zu halten<, freute sich Neuhausens Routinier Ferdinand Michalik. >Wir haben über den Kampf gut ins Spiel reingefunden<, ergänzte Kapitän Daniel Reusch. >Wir haben heute auch in kritischen Situationen mit viel Selbstvertrauen agiert<, stellte der fünf Mal erfolgreiche Rückraumspieler Jona Schoch fest.

>Dieses Sieg-Gefühl war schon fast verloren gegangen<

Den Neuhäuser Fans unter den 792 Zuschauern in der Hofbühlhalle schwante in der 48. Minute Böses. Aus einer scheinbar komfortablen 18:12-Führung (42. Minute) wurde ein 19:18. Job reagierte. Für Jan Reusch, der zu Beginn der zweiten Hälfte starke Aktionen hatte, danach aber einige schlampige und unglückliche Aktionen einstreute, wechselte er auf der Spielmacher-Position Michalik ein. Und der führte sich glänzend ein. Der erstliga-erfahrene Michalik holte in starker Manier einen Siebenmeter heraus, den Srdjan Predragovic zum 20:18 verwandelte. Der TVN zog auf 21:18 (50.), 23:20 (54.) und 24:21 (56.) davon. Die Frage nach dem Sieger war allerdings noch nicht beantwortet. In der 58. Minute setzte sich Daniel Reusch am Kreis in Szene, scheiterte aber mit seinem Wurf an Torhüter Phil Döhler. Dessau schaltete blitzschnell um, brachte im Gegenstoß Marek Vanco in Position, doch der jagte den Ball freistehend vor Keeper Daniel Rebmann per Aufsetzer über das Tor.

Wenig später erzielte Johannes Wasielewski für Dessau das 22. Tor. Die Uhr zeigte eine Restspielzeit von einer Minute und 21 Sekunden an. Der TVN agierte im Angriff taktisch clever, dennoch kam Dessau noch einmal in Ballbesitz. Den letzten Wurf der Gäste von Johannes Wasielewski entschärfte schließlich Rebmann - der Rest war Jubel.

>Wir haben Dessau bei nur 22 Toren gehalten, das war der Schlüssel zum Erfolg<, stellte Michalik fest. In der Tat präsentierte sich die Neuhäuser Hintermannschaft gut wie in besseren und erfolgreicheren Tagen. Mit Kampfgeist wurden viele Zweikämpfe gewonnen. Der Rückraum der Dessauer um den spielintelligenten Ex-Magdeburger Vincent Sohmann kam kaum zur Entfaltung. Und: Die Neuhäuser erzielten sogar einige Gegenstoß-Tore, nachdem die Abteilung Konterattacke in den vergangenen Wochen ihren Betrieb weitgehend eingestellt hatte.

>Die Mechanismen in unserer 3:2:1-Abwehr greifen immer mehr<, analysierte Job. Und weshalb wurde es nach der 18:12-Führung noch einmal eng? >Wir haben noch nicht die Stabilität, um dem Gegner in einer solchen Situation den Todesstoß zu versetzen.< Gut beim TVN war auch die Disziplin im Angriff. Auf der linken Seite überzeugten Christian Wahl und Schoch, auf der rechten Seite hatte Predragovic gute Aktionen und Andreas Bornemann nahm sich keine überhasteten Würfe. >Wir haben ein Lebenszeichen gesetzt<, jubelte Job.

(GEA)

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MANFRED KRETSCHMER