Archiv: TV 1893 Neuhausen - SG BBM Bietigheim (SÜDWEST PRESSE)

25.03.2017 - 08:27 - "SÜDWEST Presse"


Emrich zeigt Mitgefühl mit dem TVN

Die erhoffte und dringend benötigte dicke Überraschung ist gestern Abend ausgeblieben. Handball-Zweitligist TV Neuhausen hat im Schwaben-Derby gegen den Tabellendritten SG BBM Bietigheim nicht unerwartet mit 27:34 verloren und damit die sechste Niederlage in Folge kassiert. Der Abstand auf den ersten Nichtabstiegsrang kann heute je nach Ausgang der Partien der Konkurrenz auf mehr als die bisherigen neun Zähler anschwellen.

Gestern Abend sah die stattliche Kulisse von 851 Zuschauern eine eher einseitige Partie. Der starke Tabellendritte aus Bietigheim legte mächtig los und führte nach 19 Minuten bereits mit 10:4. Unterstützt von 30 lautstarken Fans auf der Gegengeraden der Hofbühlhalle schienen die Enztäler, die sich während der gesamten Partie auf eine solide Abwehr stützen konnten, geradezu Heimspielatmosphäre aufzusaugen und traten mit viel Selbstvertrauen auf. Vieles, was dem TVN abging, fand man auf Gästeseite fast selbstverständlich vor. Neben der nur schwer überwindbaren Abwehr ein sicheres Positionsspiel, eine nur von wenigen Fehlern gekennzeichnete erste und zweite Welle, Nervenstärke bei Siebenmetern (Christian Schäfer verwandelte alle sieben Siebenmeter sicher) und technisch perfekt vollendete Trickwürfe. Selbst die Tatsache, dass TVN-Rückraumbomber Andreas Bornemann mit acht Treffern wieder zu alter Treffsicherheit zurückfand, konnten die Ermstäler nicht als wirkungsvolle Karte ausspielen.

TVN-Trainer Alexander Job war folglich bedient: "Wir hatten den schlechtesten Start, den man sich vorstellen kann, wir machen zehn technische Fehler. In der ersten Halbzeit hatten wir nach vorne keine gute Spielanlage, in der zweiten waren wir hinten schwach. Die Mannschaft hat gekämpft, aber war teils kopflos. Diesmal wurden viele Vorgaben nicht eingehalten, das müssen wir intern ansprechen und analysieren."

Ferdinand Michalik, wie immer bemüht, aber ebenso wie Srdjan Predragovic mit einer Siebenmeterfahrkarte und einigen glücklosen Würfen in der Statistik notiert, war ebenso bitter enttäuscht: "In die Halbzeit zu gehen mit vier Toren Rückstand ist schon eine Hypothek. Nach dem Seitenwechsel schaffen wir es nicht, die Gäste in Bedrängnis zu bringen."

Zur Pause lag der TVN nach leichter Verkürzung mit 10:14 hinten und hoffte zumindest noch auf die zweite Hälfte sowie auf "Joker" Christian Wahl, der erstmals nach seiner Daumenverletzung wieder mitwirkte und ab der 49. Minute aufs Feld beordert wurde.

Doch egal, was Trainer Job auch unternahm - Auszeiten, Positionswechsel, Torhüterwechsel - es half gestern Abend gegen einen überlegenen Gegner einfach nicht.

Der sechs Mal erfolgreiche Jona Schoch zeigte sich selbstkritisch: "Wir haben zu viele technische Fehler gemacht, und in der zweiten Halbzeit war die Abwehr viel zu offen. Das Selbstvertrauen hat gefehlt, deshalb sind wir nicht mehr rangekommen."

Immerhin durfte Christian Wahl, der zuvor von der Bank seine Kameraden angefeuert hatte, wie erwähnt wieder übers Parkett wirbeln. Ein Tor war ihm letztlich auch vergönnt. "Ich war von Anfang an bereit für den Einsatz, habe aber nur ein Mal in dieser Woche trainiert und wusste nicht, wie die Verletzung reagiert, wenn es einen Schlag darauf gibt. Natürlich hätte ich bei meinem Comeback gerne auch Punkte mitgenommen", gestand Wahl nach der Partie, die nie wirklich spannend wurde. Über 11:17 (35. Minute), 16:20 (40.), 16:23 (42.), 20:28 (50.) und 25:31 (55.) ging es mit 27:34 in den Freitagabend. Wohl kaum einer unter den Besuchern hatte je das Gefühl, dass eine Wende möglich war. Wertlos war letztlich auch, dass der TVN nach dem Seitenwechsel sieben Treffer mehr als im ersten Durchgang markierte, weil Bietigheim in den torreichen zweiten 30 Minuten ebenfalls sechs Mal häufiger als vor der Pause einnetzte.

Bietigheims Kreisläufer Julius Emrich, früher für den TVN am Ball, zeigte Sympathie für die glücklosen Gastgeber: "Das war ein ganz komisches Gefühl hier zu spielen, wenn es für den TVN um so viel geht. Der sportliche Erfolg mit meiner aktuellen Mannschaft steht zwar im Vordergrund, aber es tut trotzdem weh, den TV Neuhausen in so einer Lage zu sehen. Ich hoffe, dass die Jungs es packen und noch dranbleiben."

SG-BBM-Trainer Hartmut Mayerhoffer war zufrieden: "Das war ein verdienter Sieg für uns. Wir hatten von Anfang an den Fokus, und die leichten Gegenstoßtore helfen uns, gut ins Spiel zu kommen. Ich bin zufrieden mit meiner Mannschaft. Aber es ist nicht so, dass wir als Tabellendritter hier zum Vorletzten fahren und den dominieren, wir müssen für jeden Sieg kämpfen. Und wenn du Neuhausen Lunte gibst, dann kann hier ein Feuer entstehen. Das haben wir aber geschafft, dies nicht entstehen zu lassen."

In der Tat. Die drei Ex-Bundesligaspielerinnen der Metzinger TusSies, Patricia Stefani, Alexandra Kubasta und Barbara Balogh (mit ihrem einjährigen Nachwuchs auf dem Arm) konnten gestern Abend nicht als Glücksbringerinnen dienen und für den TVN sieht die Lage im Abstiegskampf immer prekärer aus. Bietigheim hingegen bleibt oben bei der Musik.

So spielten sie

TV Neuhausen - SG BBM Bietigheim 27:34

TV Neuhausen: Becker, Rebmann - Stüber (1), Stahl (n.e.), Wahl (1), D. Reusch (2), Schoch (6), Klingler, Keupp (2), Michalik, J. Reusch (2), Predragovic (5/2), Bornemann (8).

SG BBM Bietigheim: Edvardsson, Ebner - Haller (1), Rentschler (1), Dahlhaus (4), Schäfer (10/7), Schmidt, Babarskas (7), Barthe (2), Asmuth (1), Scholz (1), Döll (1), Emrich (3), Emanuel (3).

Siebenmeter: 2/4 (Michalik 0/1, Predragovic 2/3) - 7/7 (Schäfer 7/7).

Zeitstrafen: Schoch (2), Klingler, J. Reusch - Dahlhaus (2), Barthe (1), Emanuel (1).

Schiedsrichter: Christian Hannes/David Hannes (Reichshof/NRW).

Zuschauer: 851

----------------------------------------------------

Alexander Mareis