Archiv: SG Leutershausen - TV 1893 Neuhausen (SÜDWEST PRESSE)

19.03.2017 - 08:27 - "SÜDWEST Presse"


Die zweite Hälfte der ersten Halbzeit macht Job zu schaffen

Der TV Neuhausen hat auch im zweiten Spiel unter dem neuen Trainer Alexander Job keine Punkte einfahren können. In Hirschberg-Leutershausen unterlag der Tabellenvorletzte der 2. Handball-Bundesliga mit 25:32. Eine schwache Phase in der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit wurde den Ermstälern zum Verhängnis. Bis zum 6:6 (15.) hielten die Job-Schützlinge mit, dann brachen aufgrund vieler Fehlwürfe und kassierter Gegenstoßtore alle Dämme. Bis zur Pause führte die SG Leutershausen mit 17:10 vor 700 Augenzeugen. Obwohl der TVN die zweite Halbzeit vom Ergebnis her ausgeglichen gestaltete, konnte der Rückstand nicht mehr verkürzt werden. Zwölf Spieltage vor Schluss beträgt der Abstand auf den ersten Nichtabstiegsrang weiterhin neun Punkte.

"Wir haben vor dem Seitenwechsel elf Fehlwürfe fabriziert und daraus sieben Gegentore, die Mehrzahl nach Tempogegenstößen, kassiert. Das hat uns das Genick gebrochen", macht TVN-Trainer Alexander Job klar.

Mit einem kleinen Kader von elf Spielern war er an die Bergstraße in den Rhein-Neckar-Kreis gefahren, Job selbst hatte als Spieler einst für die SG Leutershausen auf dem Parkett gestanden. "Ich habe noch einige Zuschauer in der Heinrich-Beck-Halle wiedererkannt, diese Leute waren schon zu meiner Spielerzeit vor 20 Jahren bei den Leutershäuser Spielen dabei. Junges Publikum hingegen ist mir weniger aufgefallen. Leutershausen hat nach seinen früheren großen Erfolgen als Deutscher Meister und Vizemeister augenscheinlich etliches an Fanbasis verloren, nachdem man jahrelang kleinere Brötchen backen musste", erkannte der neue TVN-Coach.

700 Zuschauer fanden sich schließlich in der Heinrich-Beck-Halle ein, etwa 500 Plätze blieben leer und trotz einiger heftiger Proteste gegen die Schiedsrichter schon nach wenigen Minuten wollte sich in dieser für den Klassenerhalt aus Sicht beider Teams so wichtigen Begegnung keine Hexenkessel-Atmosphäre einstellen. Rund 15 Fans waren dem TVN aus dem Ermstal an die Bergstraße gefolgt und machten sich immer wieder lautstark bemerkbar.

Die Neuhäuser agierten fast durchgängig mit einer 3:2:1-Abwehr und machten es den Gastgebern damit zumindest in der ersten Halbzeit schwer. Möglicherweise erleichterte die Tatsache, dass Leutershausens Rückraumshooter Stefan Salger schon nach wenigen Minuten mit einer Schienbeinprellung angeschlagen das Feld räumen musste (er kam später aber wieder zurück), die Abwehrarbeit der in weißen Jerseys spielenden Blau-Weißen. Dass der TVN bis zur Pausensirene so schwer angeknockt in die Kabine torkelte, hatte wenig mit schlechter Defensivleistung zu tun. "Es waren taktische Undiszipliniertheiten, die uns in Not gebracht haben. Die Probleme ziehen sich durch die ganze Mannschaft. Jeder Spieler begeht zwei oder drei Fehler im Spiel, die in der Summe dann die ganze Arbeit zunichte machen. Die erste Halbzeit war mit elf Fehlwürfen gravierend, dabei standen wir bis zur Pause in der Verteidigung gut. Nach dem Seitenwechsel war es umgekehrt. Wir verzeichneten dann nur noch fünf Fehlwürfe und hatten dabei auch mit zwei Pfostentreffern ordentlich Pech. Dafür aber konnten wir die Abwehrleistung aus dem ersten Durchgang nicht mehr auf die Platte bringen und agierten vor allem im Eins gegen Eins hinten zu schwach. Die Gegentore kamen auf viel zu einfache Art und Weise zustande", macht Job klar.

Aufgrund des kleinen Kaders, dem immerhin 14 Mann auf SGL-Seite gegenüberstanden, musste Alexander Job kräftig wechseln. Jan Reusch, frisch zurück von einem Lehrgang mit der Deutschen Juniorennationalmannschaft, wechselte sich mit Ferdinand Michalik auf Linksaußen und Rückraum Mitte ab. Abermals wurde der handverletzte Christian Wahl auf Linksaußen schmerzlich vermisst. Srdjan Predragovic und Andreas Bornemann versuchten sich abwechselnd auf Rückraum rechts, während Daniel Rebmann in der ersten Hälfte den Kasten hütete und für die zweiten 30 Minuten von Magnus Becker abgelöst wurde.

Beim Stand von 23:20 (47.) in der zweiten Halbzeit witterten die Neuhäuser nochmals Morgenluft. Binnen drei Minuten hatten sie dabei ein 23:17 (44.) verkürzt. Doch als Marc Nagels Schützlinge danach wieder anzogen und auf 27:21 (53.) enteilten, war der Käse gegessen.

SGL-Cheftrainer Nagel ließ nach dem Spiel in der Heinrich-Beck-Halle verlauten: "Ich bin natürlich sehr zufrieden mit dem Auftritt, die erste Halbzeit war eine unserer besten überhaupt", so der 31-fache Nationalspieler, "in unserer Situation ist auch der hohe Sieg sehr wichtig, auch wenn man am Ende auf das Torverhältnis schaut. Das war ganz wichtig, aber das bleibt spannend bis zum Schluss."

Somit verlor der TVN beide Saisonduelle mit den "Roten Teufeln." Am 32:25 war nicht zu rütteln. In Neuhausen am 8. Oktober 2016 hatte der TVN auch mit 22:25 die Segel streichen müssen. Wären beide Partien an Neuhausen gegangen, würden nur drei Pluspunkte die beiden Teams trennen. So hingegen sind es elf. Niederlagen in sogenannten Vier-Punkte-Spielen gegen vermeintliche Konkurrenten im Kampf um den Ligaverbleib tun besonders weh.

Am Freitag (20 Uhr, Hofbühlhalle) reist der Tabellendritte SG BBM Bietigheim zum Derby in den Metzinger Stadtteil. Das Hinspiel hatten die Enztäler mit 34:28 für sich entschieden. Über die Favoritenstellung im Rückspiel wird es wenig Diskussionen geben. Beim TVN hofft man zumindest, dass Christian Wahl wieder eingesetzt werden kann.

----------------------------------------------------

Alexander Mareis