Archiv: Eine Spur zu loyal (Reutlinger General Anzeiger)

03.03.2017 - 14:32 - Reutlinger General Anzeiger


Eine Spur zu loyal

In den vergangenen Wochen verfestigte sich beim Handball-Zweitligisten TV Neuhausen der Eindruck, dass die Mannschaft – wenn auch reichlich spät – den Ernst der Lage und damit die akute Abstiegsgefahr erkannt hat. Mit dem allerletzten Aufgebot zeigte das vom Verletzungspech gebeutelte Team respektable Leistungen. Vor diesem Hintergrund kommt die Entscheidung von Trainer Aleksandar Stevic, seinen Posten zur Verfügung zu stellen, sehr überraschend. Sie war allerdings konsequent, hatte doch Stevic den Eindruck gewonnen, dass nicht alle Akteure an einem Strang ziehen. Weil der TV Neuhausen für ihn längst eine Herzensangelegenheit geworden war, machte Stevic den Weg sofort frei. Noch sind 15 Spiele zu absolvieren, noch kann der neue Trainer die Mannschaft zusammenschweißen, noch kann der Ermstal-Club den Kopf aus der Abstiegsschlinge ziehen.

Im Januar 2014 übernahm Stevic den Trainerposten beim TVN. Und musste seither Jahr für Jahr das Tafelsilber verkaufen. Er stand vor jeder Saison vor einem Neuaufbau. Direkt nach dem Bundesliga-Abstieg im Sommer 2013 hatte sich der Verein finanziell zu weit aus dem Fenster gelehnt. Mittlerweile sind die Finanzen wieder geordnet, der Mannschaft fehlen jedoch Typen, die im Abstiegskampf die Richtung vorgeben können. Stevic hat den Sparkurs stets mitgetragen. Klaglos und loyal gegenüber dem Verein. Letztlich verhielt er sich eine Spur zu loyal. In der laufenden Saison hätte der ehemalige Pfullinger Bundesligaspieler nicht nur bei seiner Rücktritts-Entscheidung Konsequenz zeigen müssen. Stevic hätte spätestens in der Winterpause, am besten bereits zu Beginn der Runde, wegen der Langzeitausfälle Verstärkungen fordern müssen. Der Verein hätte in die Schatulle greifen sollen – und damit die Chance auf den Klassenverbleib erhöhen können.

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MANFRED KRETSCHMER